Der Schriftsteller Heinrich Spoerl, der vor allem mit dem Roman «Die Feuerzangenbowle» (1933) bekannt wurde, sagte einmal zur Thematik des Wartens: «Die Kunst des Wartens besteht darin, inzwischen etwas anderes zu tun.».

Und genau mit dieser Herausforderung schlagen wir uns dieser Tage herum. Rund um die letzten Vorbereitungen für die Panamericana 2026-28 gibt es Fix-Termine, die unumstösslich scheinen. Zum Beispiel der Umstand, dass wir in

das Flugzeug nach Buenos Aires besteigen. Oder dass unser Wohnmobil von Hamburg nach Zarate (Buenos Aires) verschifft wird. Fest steht auch, dass dies mit grosser Sicherheit durch die Grande Francia geschieht – ein im Jahr 2002 gebautes Ro-Ro-Fracht-Schiff der italienischen Grimaldi Group.

Die Einfahrtsluke der Grande Francia (Copyright B.Clark; Quelle https://www.shipspotting.com)

Ein Ro-Ro-Fracht-Schiff muss man sich als Laie wie ein schwimmendes Parkhaus vorstellen. Und in etwa so aerodynamisch sieht es im Wasser aus. In erster Linie transportieren diese Frachter um diese Jahreszeit Landwirtschaftsmaschinen, welche auf der Südhalbkugel in den kommenden Monaten benötigt werden. Und dazwischen immer mal wieder den einen oder anderen Camper.

Die grande Francia auf (halb-)hoher See. (Quelle: Grimaldi)

Das Prozedere sieht vor, dass man sein Fahrzeug in den Starthafen stellt und dieses dann von Reederei-Mitarbeitern ins Schiffsinnere gefahren wird. Im Gegensatz zur Verschiffung im Container (was bei uns aufgrund der Wohnmobil-Grösse nicht klappt) muss man darum den Abfahrtstermin des Frachters berücksichtigen sowie die Fahrzeugschlüssel abgeben. Ersteres ist wichtig, weil jeder zusätzliche «Park»-Tag auf dem Hafengelände kostet und zweiteres ist halt einfach ungewohnt. Man überreicht das vollständige Schlüsselset seines «Zuhauses» jemandem Unbekannten.

Das grosse Warten
Nun gibt es bei Verschiffungen von Europa nach Südamerika noch ein paar Unwägbarkeiten, welche uns direkt betreffen. Laut Fahrplan sollte die Grande Francia am 17. September 2026 Hamburg verlassen und am 11. Oktober 2026 in Zarate eintreffen. Die Reederei gibt als Abgabeschluss den 11. September 2026 vor. Einen Slot für die Hafeneinfahrt in Hamburg erhalten wir maximal 7 Tage im Voraus.

Innerhalb dieser 7 Tage brauchen wir noch einen sogenannten Survey Termin. Der Survey dokumentiert lückenlos den Zustand unseres Unicorns, bevor er in die Obhut der Reederei übergeht. Er dient als rechtliche Grundlage: Nur was im Condition Report vor der Verladung festgehalten ist, gilt als «vorher da gewesen». Alles, was beim Löschen im Zielhafen zusätzlich auftaucht (Kratzer, Dellen, fehlende Teile), fällt in die Verantwortung der Reederei – vorausgesetzt, der Report war sorgfältig.

Das Problem ist nun, dass nach den Erfahrungen von SeaBridge – welche unsere Verschiffung organisiert – mit mindestens 1 Woche Verspätung gerechnet werden muss. Weil sich zum Beispiel die Überfahrt nach Hamburg (aktuell liegt die Grande Francia vor Paranagua in Brasilien) aufgrund des Wetters verzögert. Oder weil an einem der Häfen auf der Route gestreikt, gefeiert oder das Wochenende zelebriert wird. Und im Gesamtbild ist das auch gut so, weil ja sonst das Unicorn nach der Überfahrt von Hamburg zu früh in Zarate stehen würde. Was wiederum Kosten verursacht, da wir erste Anfang November mit der Tour starten.

Also ist eigentlich alles im grünen Bereich. Man müsste nur die Gelassenheit der Südamerikaner bereits verinnerlicht haben. Aber wir sind noch zu sehr im Schweizer Genauigkeitsfimmel verortet 😉. Wir könnten ja einfach zurücklehnen und SeaBridge ihren Job machen lassen. Aber in Gedanken und Gefühlen stehen wir mit unserem Unicorn bereits im Hafen von Hamburg und warten auf die Ankunft des Frachters. Dies ist zwar lediglich bei unserem KI-generierten Bildes der Fall. Es wird jedoch immer schwieriger uns abzulenken. Die Wohnung ist zu grossen Teilen geräumt, Das Wohnmobil vorbereitet. Viele Freunde verabschiedet. Und die heissen Tage ziehen sich dahin…

Um uns auf andere Gedanken zu bringen, fahren wir kommendes Wochenende noch für ein paar Tage an den Lago di Como. Mal schauen ob das funktioniert.

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10 Comments

  • Frigot Susanne
    Posted 10. August 2026

    Super cooles Bild !!

  • Stefan
    Posted 10. August 2026

    haltet durch…

  • Heinz
    Posted 10. August 2026

    Dann wünsch ich Euch mal viel Spass beim «Eile mit Weile», und good luck !

  • Silvana
    Posted 10. August 2026

    Uns geht’s genauso! Ausser dass wir auf den letzten Drücker noch die Seitentür samt Rahmen auswechseln und neu spritzen lassen mussten…. 🙈 Aber das Warten ist absehbar 🍀. Herzliche Grüsse und bis glii!

  • Sabine
    Posted 12. August 2026

    … wir fühlen mit euch. Sehr sogar, unser Abgabetermin in HH (nach Montevideo) liegt nur noch 7 Tage entfernt 🙈

  • Eva
    Posted 6. September 2026

    Die Zeit ist ja so schnell vergangen. Wir wünschen euch eine gute Reise und viele schöne Erlebnisse.

    • Andreas Hostettler
      Posted 6. September 2026

      Liebe Eva
      Tatsächlich ist die Zeit förmlich verflogen 😊
      Aktuell bin ich auf dem Weg nach Hamburg und habe am Dienstag Morgen einen Kontrolltermin beim Zoll. Danach geht unser Unicorn auf’s Schiff ⛵

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