Eigentlich war alles klar. Therme. Entspannung. Nichts denken. So lautete der Plan für heute Morgen. Doch auf dem letzten Übernachtungsplatz hatte uns ein anderer Camper in ein Gespräch verwickelt – und am Ende stand er da, malte uns mit den Händen Felsen in die Luft und sagte nur: «Den Donaudurchbruch müsst ihr sehen. Unbedingt.»
Gesagt, getan. Die Therme kann warten.
Wir stellten den Unicorn für eine Nacht auf dem Stellplatz in Kehlheim ab und machten uns zu Fuss auf den Weg zu den Schiffsanlegestellen an der Donau. Schon vom Wasser aus grüsst uns hoch oben auf dem Hügel die Befreiungshalle – ein mächtiger Rundbau, den König Ludwig I. zum Gedenken an die Befreiungskriege gegen Napoleon errichten liess. Von unten wirkt sie wie eine steinerne Krone über der Stadt. Wir haben sie nur von der Donau aus bewundert – aber allein dieser Anblick ist ein Statement.

Das Ausflugschiff legt ab, und schon nach wenigen Minuten verändert sich die Welt um uns. Ein erster Halt des Auges: das Klösterl, eine kleine Kapelle, die sich direkt an den Fels schmiegt, als wäre sie dort hineingewachsen. Kaum grösser als eine Stube, aber mit einer Lage, die jeden Architekten neidisch machen dürfte.


Die Donau zieht sich immer enger, die Ufer werden zu Wänden, die Wände werden zu Felsen – und plötzlich gleiten wir durch den Donaudurchbruch, eine der eindrücklichsten Naturlandschaften Bayerns. Senkrechte Kalkfelsen, stellenweise über 70 Meter hoch, rahmen den Fluss auf beiden Seiten ein. Der Himmel wird zum schmalen blauen Streifen. Man sitzt auf dem Schiff, schaut hinauf und fragt sich, wie viele Jahrtausende dieses Wasser gebraucht hat, sich seinen Weg durch den Stein zu bahnen. Tatsächlich ist die Donau hier nur knapp 80 Meter breit. Die Wassertiefe erreicht an dieser Stelle in der Regel rund 20 Meter, was darauf zurückzuführen ist, dass die gesamte Wassermenge der Donau durch diese schmale Stelle geführt wird.
Mitten im Durchbruch, direkt in die Felsmauer eingelassen, steht er plötzlich vor uns: der heilige Nepomuk. 1,7 Meter hoch, aus Stein, und doch wirkt er lebendig – als würde er seit Jahrhunderten ruhig dem Treiben auf dem Wasser zuschauen. Schutzpatron der Schiffer und aller, die sich dem Wasser anvertrauen. An diesem Ort, eingeklemmt zwischen mächtigen Kalkfelsen, macht seine Präsenz absolut Sinn.
Am Ende dieser natürlichen Schlucht liegt Kloster Weltenburg – und das auf eine Art und Weise, die fast schon unfair schön ist. Das Benediktinerkloster, gegründet im frühen 7. Jahrhundert, thront direkt am Flussufer, als hätte es nie irgendwo anders hingehört. An der Klostermauer fällt unser Blick auf etwas, das uns unerwartet in den Bann zieht: die Hochwassermarkierungen. Jahrzehnte, Jahrhunderte – Linie für Linie, Jahreszahl für Jahreszahl, manche erschreckend weit oben an der Mauer. Eine stille Chronik der Kraft dieses Flusses, die einem schlagartig klarmacht, dass die Donau hier nicht einfach idyllisch dahinfliesst, sondern dass sie diesen Ort immer wieder gefordert und geprägt hat.

Die Kirche St. Georg – ein barockes Feuerwerk aus Gold, Licht und Deckengemälden. Wer das erste Mal eintritt, bleibt unweigerlich kurz stehen, einfach so, mitten im Schritt.


Das Weltenburger Klosterbier tranken wir übrigens bereits auf dem Ausflugschiff – man wäre ja töricht, es nicht zu tun. Und ja, es hat geschmeckt. Sehr.
Den Rückweg legten wir auf einer Zille zurück – einem dieser flachen Holzboote, die den Durchbruch auf traditionelle Art durchqueren. Langsam, nah am Wasser, mit dem vollen Blick auf die Felsen. Auf dem Schiff hin schaut man nach oben. Auf der Zille zurück schaut man sich um – und das ist noch einmal eine ganz andere Erfahrung.
Kurz darauf legten wir am Ufer an und wanderten entlang der Donau zurück nach Kehlheim. Die Sonne stand tief, das Wasser glitzerte, die Beine spürten wir langsam – und wir wussten: Der fremde Camper von gestern Abend hat definitiv recht gehabt.
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Nachtrag:
Während des Schreibens dieses Beitrages wurde Bea vor dem Unicorn von einem Paar angesprochen. Sie hätten ebenfalls ein bimobil LBX 365 und stünden ein paar Meter entfernt auf dem Nachbar-Parkplatz. Schnell wurde aus dem kurzen Gespräch eine Fahrzeugbesichtigung, ein Gegenbesuch und ein gemeinsames Abendessen in der Pizzeria. Wir unterhielten uns so gut und angeregt, dass uns die Wirtin wegen Arbeitsschluss aus dem Lokal weisen musste 😉
Liebe Susanne, lieber Andreas – es hat grossen Spass gemacht, Euch zu treffen. Und einmal ist ja bekanntlich kein Mal. Also halten wir in Zukunft die Augen nach Euch offen.

1 Comment
Stefan
schöne Ecken gibt’s auch vor der Haustür 😉