Visum erteilt: Freie Fahrt Richtung Nordpolarmeer

Anfang Jahr haben wir uns über mehrere Stunden damit beschäftigt, unser B1/B2-Visum für die USA online zu beantragen. Für jemanden, der sich beruflich mit benutzerfreundlichen Webseiten und eine befriedigenden customer journey beschäftigt hat, verursacht dieser Vorgang fast körperliche Schmerzen.

Nach fünf Stunden war es aber geschafft. Alle familiären Beziehungen, finanziellen Grundlagen und Social Media-Kanäle waren offengelegt und einem Interview-Termin in der US-Botschaft in Bern stand nichts mehr im Wege.

US-Botschaft in Bern

Anfang März war es soweit. Im Vorfeld haben wir uns mittels mehrerer KI-Modellen auf das Interview und den Vorgang in der Botschaft vorbereitet. Elektronische Geräte sind nicht erlaubt. Also mussten auch alle vorgeschlagenen Unterlagen (Familienbüchlein, Besitzurkunde Liegenschaft, Kontoauszüge der letzten 3 Monate, Versicherungspolicen, alte Pässe, Reiserouten und Unterlagen zum Fahrzeug) ausgedruckt und in einer transparenten Mappe transportiert werden. Und alles in zweifacher Ausführung, da uns niemand bestätigen konnte, dass wir als Ehepaar ans Interview dürfen.

Stundenlang haben wir Frage-Antwort-Szenarien in englischer Sprache geführt. Und ein paar Nächte vorher war der Schlaf nur mittelmässig. Dann war es soweit – wir fuhren mit der Bahn nach Bern und schlossen als erstes unser Gepäck und das Tablet bzw. den Laptop in ein Schliessfach. Danach stiegen wir ins Tram in Richtung Botschaft. Da die USA nur wenige Stunden vorher den Krieg gegen den Iran gestartet hat, waren wir auf verschärfte Sicherheitsmassnahmen vorbereitet und entsprechend früher am Ziel.

Kontrolle 1: Noch auf «Schweizer Boden» um unsere Berechtigung zu einem Termin zu prüfen ☑️

Kontrolle 2: Alle Unterlagen, Schlüssel, Smartphones, Gürtel, etc. in eine Kiste und warten auf den Eintritt in die Sicherheitszone ☑️

Kontrolle 3: Scanner wie man es vom Flughafen kennt. Meine Kaugummi mussten in die Sicherheitsaufbewahrung (gegen Quittung) ☑️

Kontrolle 4: Zugang zum Gebäudetrakt für die Visa-Interviews ☑️

Schalter 1/3: Erneutes Prüfen unserer Pässe. Zudem musste noch die Frage nach dem tatsächlichen Ort der Geburt von Bea (Uster) geklärt werden. Und die zusätzlich mitgebrachten Visa-konformen Passfotos wurden eingescannt.

Schalter 2/3: Einscannen der Fingerprints

Schalter 3/3: Das eigentliche Interview. Dieses findet an einem gläsernen Schalter statt, wie man es von der Post kennt. Alle Wartenden hören uns sehen mit. So erfuhren wir, dass der ältere Herr vor uns nach Alaska reisen wollte. Der junge Student war einmal im Iran und erhielt gleich den Pass wieder zurück (ohne Visa) und die Geschäftsfrau informierte sich darüber, ob sie trotz des schlechten Aussehens auf dem Passfoto in die USA einreisen könne – Antwort des Beamten: «These days, you never know…»

Dann war es soweit. Mit erhöhtem Puls durften wir beide an den Schalter treten. Und was soll ich sagen – nebst der Frage, was wir genau in den USA planen, wem das Wohnmobil gehört und den Glückwünschen zu diesem Entscheid erhielten wir noch den Rat, den Grenzbeamten ruhig nach einer verlängerten Aufenthaltsdauer zu fragen, unabhängig von den zu erwartenden 6 Monate. Und dann hiess es lediglich: «All right. We’ll send the visas by mail.», und wir waren wieder draussen.

Niemand hat sich für unsere Unterlagen oder die vielgeübten Sätze zu unseren Plänen und Besitzverhältnissen interessiert. Und 3 Tage später erreichten uns auch wirklich die Pässe mit den für 10 Jahre gültigen Visa.

Und wieder können wir eine Vorbereitungs-Station abhaken. Die Panamericana kommt näher 🤗

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