Wer an Kroatien denkt, hat sofort traumhafte Strände mit glasklarem Wasser vor Augen. Oder Städte wie Dubrovnik, Split oder Zadar, welche in der Saison aus allen Nähten zu platzen drohen. Wenn es dann um Nationalparks geht, dann kennen fast alle die Plitvicer Seen oder die Krka-Wasserfällen. Kroatien hat aber noch viel mehr zu bieten.

Aktuell stehen wir mit unserem Unicorn bei Maria und ihrem Sohn. Die kleine Pension mit Restaurant hat zwar noch nicht offiziell geöffnet – die Saison startet in dieser Gegend erst mit dem Eintreffen der Störche. Auf dem kleinen Landstück in der Posavina hat es aber Platz für unser Wohnmobil.

Die Posavina ist eine geografische Region, die sich entlang des Flusses Save erstreckt. Sie umfasst Gebiete in mehreren Ländern des ehemaligen Jugoslawiens, darunter Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Serbien. Die Save ist einer der letzten grossen, relativ unregulierten Flüsse Europas, mit ausgedehnten Auenlandschaften, die vielen Tierarten als Rückzugsort dienen.

Ein Highlight der kroatischen Posavina ist der Naturpark Lonjsko Polje, eines der grössten erhaltenen Feuchtgebiete Europas. Der Park erstreckt sich über 50.000 Hektar (Grösse des Kanton Basel-Land) und ist ein Paradies für Vogelbeobachter. Hier leben Störche, Seeadler und seltene Kraniche.


Die Dörfer in der Posavina scheinen wie aus einer anderen Zeit. Besonders auffällig sind die Posavske kuće, die traditionelle Holzhäuser.

Sie sind ein herausragendes Beispiel für nachhaltige Bauweise mit lokalen Materialien, die perfekt an die oft von Hochwasser betroffenen Gebiete angepasst ist. Die Holzhäuser bestehen aus massiven Eichenstämmen und wurden ohne Nägel gebaut. Viele Gebäude stehen auf kurzen Holzpfählen oder Steinfundamenten, um vor Hochwasser geschützt zu sein.

Einige Posavske kuće hatten einen oberen Stock mit Balkonen, die über das Erdgeschoss hinausragten, was nicht nur optisch beeindruckte, sondern auch eine bessere Luftzirkulation ermöglichte. Auch heute noch werden in diesen Lauben Schinken und Würste getrocknet.


Und bei Hochwasser liessen sich auch von dort die Holzkähne besteigen. Da die Save regelmässig über die Ufer trat, mussten die Häuser hochwassersicher gebaut werden. Viele ältere Gebäude hatten im Erdgeschoss Lagerräume oder Ställe für Tiere, während der Wohnbereich in der oberen Etage lag.

Viele der ursprünglichen Posavske kuće sind leider durch Modernisierung und Hochwasser verloren gegangen. Die Vertreibungen im Jugoslawien-Krieg (1991-1995) hinterliessen auch viele Gebäude, welche heute dem Zerfall überlassen sind.


Der Wunsch nach nachhaltigem Tourismus, welcher der durch Landwirtschaft geprägten Region etwas Aufschwung bringen soll, hat dazu geführt, dass einige Holzhäuser renoviert und zu Ferienwohnungen ausgebaut wurden.

Nebst einer reichen Vogelwelt, vielen Wildtieren wie Hirschen und Wildschweinen gibt es in der Posavina auch traditionelle Nutztierrassen wie das Posavina-Pferd und die Turopolje-Schweine. Letztere sind während des Krieges 1993 fast ausgerottet worden. Nur etwa 30 Tiere überlebten den Krieg, einige davon wurden zur Zucht nach Wien in den Tiergarten Schönbrunn gebracht. Eigentlich war als Zielort der Zoo Zürich angedacht – aber aufgrund einer drohenden Schweinepest ist man nach Österreich ausgewichen. Aus dieser Zuchtlinie erhielt der Zoo Zürich 2010 ein Paar. Aktuell werden auf 62 Betrieben insgesamt 287 Herdbuchtiere gehalten, davon 211 Sauen und 76 Eber. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Rasse aufgrund ihrer begrenzten genetischen Basis gefährdet.

Morgen fahren wir weiter der Save nach und überqueren die Grenze zu Bosnien-Herzegowina. Der nächste Stopp wird die Stadt Banja Luka sein.
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2 Comments
Eva Siegenthaler
Sehr schöner Bericht, gar nicht gewusst! Thx!
Andreas Hostettler
Sehr gerne 🙂