An einem nebelverhangenen Februarmorgen fahren wir mit unserem Unicorn III in Richtung Mittelland an den Fuss des Jura. Das autarke Reisen ist bekanntlich unsere neue Passion. Das Ziel heisst: viel weniger Campingplätze, weniger Stellplätze und stattdessen häufiger fernab von Städten zu übernachten.
Nur haben wir dazu noch ein, zwei Mankos zu beheben. Und diesen Samstagmorgen haben wir uns das «Übergwändli» (für unsere deutschen Freunde: den Blaumann) übergestreift und die Handschuhe angezogen – ein Buschmechanik-Kurs stand auf dem Programm.
In einer Halle im Industriegebiet von Oensingen drängten sich frühmorgens unser Unicorn und ein Rudel Defender um den Instruktor Roland «Roli» Vogel. Auf dem Programm standen folgende Punkte:
Werkzeuge, Flüssigkeiten, was ist wo am Fahrzeug? Grundkenntnisse Fahrzeugtechnik, Kontrollen am Fahrzeug. Korrektes Anheben, Radwechsel, Bremsanlage. Reifenwechsel, Schweissen, Elektroreparaturen. Reifenflicken, Keilriemen etc..

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde präsentierte uns Roli die wichtigsten Werkzeuge und Hilfsmittel, die wir auf unseren Reisen an Bord haben sollten. Das sind einerseits so alltägliche Dinge wie Draht, gewachste Hanfschnur und ein Überbrückungskabel. Aber auch erstaunliche Objekte wie ein Elefantenpariser (Neugierige dürfen googeln 😉), flüssiges Metall und zwei ungekochte Eier. Diese kommen übrigens im Falle eines Kühlerschadens zum Einsatz. Denn beim Verlust von Kühlwasser kann man entweder ein Kühlerdichtmittel einfüllen oder das Eiweiss von zwei Hühnereier direkt in den Kühler geben. Bei der Fahrt gerinnt das Eiweiss im heissen Kühlerwasser und dichtet das Leck bis zur nächsten Werkstatt ab.

Nach der Produktekunde kam die Praxis. Alle Teilnehmer:innen sollten in 20 Minuten bei ihren Fahrzeugen die Sicherungskästen und Starterbatterien freilegen, den Luftfilter ausbauen und alle Flüssigkeitsbehälter finden sowie die benötigten Auffüllprodukte identifizieren. Luftfilter ausbauen? Hmm – wo ist denn nur der nötige Torx-Schlüssel für die 10 Schrauben? Da merken wir, das die britischen Automobilhersteller lieber Klammern anstelle von Torxschrauben verbauen. Vielleicht nicht für die Ewigkeit wie bei Mercedes, aber definitiv schneller beim Ausbauen.
Danach geht es Schlag auf Schlag. Fahrzeuge an verschiedenen Ansatzpunkte anheben. Radwechsel vornehmen und Reifenkunde. Schon bei der Wahl des geeigneten Wagenhebers gibt es die nächsten Erkenntnisse. Das zum Beispiel bei der innenliegenden Nabe eines Zwillingreifens eine Verlängerung von Nöten ist, um die Radmuttern zu erreichen. Wusste das der Fahrzeughersteller nicht? Oder warum ist diese Verlängerung bei den Standardbordinstrumenten nicht vorhanden? Fragen über Fragen…

Mit dem passendem Werkzeug ist der Radwechsel eines Zwillingreifens aber keine Hexerei mehr. Wir trauen uns dies nun auch irgendwo in der Pampa zu. Weiter kümmern wir uns um den Wasserabscheider beim Dieselfilter (was uns für die Panamericana dringend empfohlen wurde), den Wechsel eines Keilriemens und die Reparatur eines Reifens.
In der Vergangenheit hätten wir in dieser Situation einfach den Pannendienst gerufen. Mit der Höhe von 350cm des Unicorn III will uns aber kein Dienstleister mehr versichern. Der Abschleppvorgang würde die Gesamthöhe von 4 Metern überschreiten. Also müssen wir bei den häufigsten Vorkommnissen selbst Hand anlegen können.
Wobei an diesem Tag auch eine weitere Erkenntnis gewonnen wird. Man muss seine Grenzen kennen. Das Schweissen mittels zweier in Serie geschalteter Autobatterien lassen wir wohl auch in Zukunft andere erledigen. Ebenso das Aufsprengen eines Reifens auf die Felge mit Hilfe von 2 dl Benzin, welches in Brand gesetzt wird.

Aber es ist schon erstaunlich, mit wie wenigen Hilfsmittel man sein defektes Fahrzeug in die mehr oder weniger weit entfernte Garage kriegt. Bei der Präsentation verschiedenster Anschauungsobjekten aus der Praxiserfahrung des Instruktors gewinnt man den Eindruck, dass mit Draht, Kabelbindern, galvanisierendem Band und Kreativität beinah jede Panne behoben werden kann.

Unser Fazit nach einem anstrengenden aber sehr aufschlussreichen Tages. Wir fühlen uns sicherer im Falle einer Reifenpanne und kennen uns im Motorraum unseres Unicorns nun deutlich besser aus. Wir müssen aber nicht alles können. Es genügt auch schon, dass man im Falle eines Falles das Problem identifizieren kann, um gezielter nach einer passenden Werkstatt zu suchen. Und wir nehmen nebst einigen neuen Reparaturmittel nun immer auch zwei rohe Eier mit auf Reisen.
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