Nie hätten wir uns im August 2023 gedacht, dass wir nur 17 Monate später erneut das Fahrzeug wechseln. Damals war der Carthago Liner-for-Two auf IVECO mit seinen 8.5 Metern Länge das Mass aller Dinge für unsere Reiseträume.

Doch dann kamen unsere Monate im Baltikum und das Kennenlernen des «wilden Campens». Alleine an einem See oder einsam in einem Waldstück. Ganz ohne des üblichen Komforts – dafür mit viel mehr Nähe zur Bevölkerung und zur Natur. Irgendwie waren wir danach im Kopf nicht mehr bereit, vom Überwintern in Spanien zu träumen. Und diese Zeit in einem Pulk Seite an Seite mit anderen Campern zu verbringen. Hingegen liess uns die Idee nicht mehr los, wie die Südafrikaner Deon & Mathilda, welche wir im Baltikum kennen gelernt haben, mit einem Fernreisemobil monatelang unbekanntere Länder und Kulturen zu erkunden.

Und so haben wir uns entschieden, dass wir nicht die Reiseziele unserem Fahrzeug sondern das Unicorn unseren Reiseträumen anpassen sollten. Nicht zuletzt auch im Hinblick auf unser Panamericana-Abenteuer 2026. Wir haben uns in der Folge nach einem bimobil umgesehen. Diese qualitativ hochstehenden Fernreise- und Expeditionsfahrzeuge aus München sind allerdings schwer zu erhalten. Eine Neubestellung bedingt das nötige Kleingeld und Geduld – die Herstellung dauert zwischen 2 und 3 Jahren. Und da die Fahrzeuge meist Spezialanfertigungen für die jeweiligen Kunden sind, kommen sie auch kaum auf den Gebrauchtwagenmarkt. Im Herbst 2024 waren im DACH-Raum genau 3 Fahrzeuge nach unseren Vorstellungen auf dem Markt.

So fuhren wir zuerst nach München zum Hersteller um das erste Wohnmobil anzuschauen. Nur um bald zu realisieren, dass aufgrund des Kundenumbaus unsere Fahrräder keinen Platz haben werden. Das Fahrzeug Nummer 2 in der französischen Schweiz hatte anstelle der Hecksitzgruppe zwei zusätzliche Stockbetten eingebaut – also auch nichts für uns. Letztendlich besuchten wir das Fahrzeug Nummer 3 in der Ostschweiz. Und entschieden uns innert einer Stunde noch während der Besichtigung, dieses käuflich zu erwerben.
Daniel W. – der Vorbesitzer – hat uns bestens beraten und während der Wartezeit, bis das Fahrzeug aufbereitet und nach unseren Wünschen ergänzt wurde, auch sehr gut begleitet. Vielen Dank nochmals dafür!

Am Samichlaustag 2024 war es dann soweit. Wir durften bei Tartaruga, dem Generalimporteur von bimobil in der Schweiz, unser Unicorn III in Empfang nehmen. Was hat sich für uns massgebend gegenüber dem Unicorn II verändert? Da sind eine Kompost-Trockentrenntoilette (BioToi 2.0) gegenüber der bisherigen Chemietoilette zu erwähnen. Dann fahren wir neu auf Mercedes Sprinter 4×4 in der Schadstoffklasse Euro V. Das heisst konkret, wir brauchen kein AdBlue – für Südamerika ein bedeutender Vorteil, da dieser Zusatz nur schwer erhältlich ist. Auf dem Dach versorgen uns eine 520W Solaranlage und speisen 2x 210 Ah Gel-Batterien. Das Fahrzeug selbst ist durch die bauliche Trennung von Fahrerkabine und Wohnkabine (beides ist durch einen Balg verbunden) wesentlich besser für unbefestigte Strassen geeignet. Zudem sorgen KCT-Echtglasfenster für ein angenehmes Raumklima und eine erhöhte Einbruchsicherheit. Die zusätzlich Be- und Entlüftung anstelle einer Klimaanlage regeln wir mit einem MaxxFan. Als nächste Umbaustufe steht noch die Ergänzung der bestehenden Truma Combi mit einer redundanten Webasto Dieselheizung an. So sind wir bei Bedarf auch unabhängig von einer regelmässigen Gasversorgung.

Was schon sehr krass war, ist der optische Eindruck der Inneneinrichtung. Bimobil baut seit Jahrzehnten ihre bewährten Grundrisse mit den immer gleichen, äusserst stabilen Materialien. Viel Holz, Aluminium und Leuchtkörper mit Ostblock-Charme. Darum haben wir die Wochen zwischen Übernahme und unserer ersten Fahrt zu Weihnachten mit dem Schneidern von neuen Sitzgruppen-Überzüge verbracht.

Zeitweise sah unser Wohnzimmer aus wie eine Schneiderei. Dann hat Bea einen neuen Boden verlegt und ich kümmerte mich um die indirekte Beleuchtung.

Nachdem unser «neues» Unicorn fachgerecht beschriftet wurde, haben wir uns zur Jungfernfahrt an die ligurische Küste aufgemacht.

Die Weihnachtstage verbringen wir mit unserer jüngeren Tochter Rakhi und unserem «Enkelhund» Jafar in Diano Marina.

Diano Marina – ein kleiner Küstenort direkt neben Imperia – ist in diesen Tagen nicht auf Touristen ausgerichtet. Stattdessen findet man in den weihnachtlich geschmückten Gassen das wahre Kleinstadtleben. Man flaniert am Abend durch die Strassen, Kinder spielen winterlich eingekleidet Fussball und die Bars und Restaurants füllen sich langsam mit Einheimischen. Die Stimmung gefällt uns und wir fühlen uns hier an der ligurischen Küste ausgesprochen wohl 🙂

Anfang März starten wir dann die erste grosse Tour. Durch den Balkan und die Türkei, nach Georgien und Armenien. Mal schauen, wie weit wir dabei kommen. Denn nach wie vor ist für uns der Weg das Ziel. Wo es uns gefällt, da bleiben wir ein paar Tage.
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9 Comments
Gauch Andrea
So spannend zu lesen, wie ihr das macht! Das Anpassen eures Wohnmobils auf die neuen Bedürfnisse finde ich super. Ihr lasst euch nicht einschränken, sondern ändert was nötig ist, damit ihr wieder losziehen könnt. Einfach richtig toll. Geniesst das wunderbare Camperleben.
Liebe Grüsse
Andrea
Andi & Bea
Vielen Dank, liebe Andrea! Wir wünschen Dir und Deiner Familie weiterhin tolle Feiertage 🤗
Eva
Wir wünschen euch ein gutes Einleben im neuen Gefährt und eine schöne, gemütliche Weihnachtszeit. Liebe Grüsse und bis bald, Eva & Dan
Andreas Hostettler
Vielen Dank. Wir freuen uns auf unser Wiedersehen 🤗
Vojko
Wow!?? Was für eine Veränderung? Ich wünsche euch viel Glück und Freude, sowie schöne und interessante Reisen mit No. lll.
…und immer wieder schön und gesund nach Hause kommen 😎👍.
Schöne Grüsse,
Vojko
Andreas Hostettler
Vielen Dank 🤗
Dietmar
Die Brschreibung über Diano Marina im Winter ist exakt richtig. Wir verbringen schon den dritten Winter hier und genießen die Ruhe!
Wir waren übrigens heute Abend im gleichen Restaurant beim Essen (Marabotto). Wir wünschen Euch tolle Touren mit Eurem Unicorn lll.
D und G aus Regensburg.
Andreas Hostettler
So klein ist die Welt 😊
Wir würden uns freuen, Euch morgen kennenzulernen. Wenn ihr Lust habt, klopft doch morgen kurz an unsere Tür.
Dietmar
Das machen wir sehr gerne nach unserem (traditionell) ausgiebigem Frühstück!