Die Brücke von Avignon, auch bekannt als Pont Saint-Bénézet, ist weltweit durch das berühmte Lied «Sur le pont d’Avignon» bekannt. Zur Erinnerung habe ich Euch die Fassung von Mireille Mathieu, als „der Spatz von Avignon“ bekannt – eine Anspielung auf Edith Piaf, die als „der Spatz von Paris“ bekannt war– eingespielt.

Ursprünglich im Jahr 1177 erbaut, war die Brücke ein Meisterwerk der mittelalterlichen Ingenieurskunst und überquerte die Rhone auf einer Länge von etwa 900 Metern mit 22 Bögen. Heute sind davon nur noch vier Bögen erhalten.

Brücke von Avignon, Stich (1575).

Einer der weniger bekannten Aspekte der Brücke ist ihre Entstehungsgeschichte, die eng mit der Legende von Bénézet, einem jungen Hirten, verbunden ist. Bénézet soll göttliche Visionen gehabt haben, die ihn aufforderten, eine Brücke über die Rhone zu bauen. Trotz seines bescheidenen Hintergrunds und mangelnder Unterstützung gelang es ihm, die Bewohner von Avignon zu überzeugen und die Brücke zu errichten. Heute kann man seine Reliquien in der kleinen Kapelle auf der Brücke besuchen, die oft von Touristen übersehen wird. Nach einem Brand in der Kapelle sind die Gebeine des Heiligen in verschiedenen Kirchen der Stadt verteilt

Blick von der Brücke zurück auf den Papstpalast.

Dass die Einwohner von Avignon sich für den Bau überreden liessen, war aber nicht nur ein religiöser oder barmherziger Akt. Die Brücke war auch ein wichtiger strategischer und wirtschaftlicher Punkt in Avignon. Sie diente nicht nur als Verkehrsweg, sondern auch als Zollstation, was Avignon zu bedeutendem Reichtum verhalf. Diese wirtschaftliche Bedeutung ist oft ein übersehener Aspekt, der die historische Wichtigkeit der Brücke weit über ihre architektonische und kulturelle Bedeutung hinaus unterstreicht.

Die abendliche Beleuchtung ergibt ein tolles Fotosujet.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Brücke mehrmals von Überschwemmungen zerstört und wieder aufgebaut, bis sie schliesslich im 17. Jahrhundert aufgegeben wurde. Nach fast 500 Jahren lohnte sich der regelmässige Aufbau nach Hochwassern nicht mehr. Übrig blieben die heute vorhandenen 4 von ursprünglich 22 Bögen.

Die in diesen Jahrhunderten gestiegene Bedeutung von Avignon und der damit verbundene Reichtum war auch der Auslöser für die zweite Besonderheit dieser provenzalischen Stadt – die des Papstsitzes.

Der Papstpalast ist ein mächtiges Bauwerk, dass über der gesamten Altstadt trohnt.

Die Zeit, in der die Päpste ihren Sitz in Avignon hatten, ist als das „Avignonesische Papsttum“ bekannt und dauerte von 1309 bis 1377. Es begann, als Papst Clemens V. beschloss, seinen Sitz von Rom nach Avignon zu verlegen. Dies war aus mehreren Gründen eine bemerkenswerte Entscheidung:

  1. Politische Unruhen in Rom: Zu dieser Zeit war Rom von politischen Konflikten und Gewalt geprägt, was es für den Papst schwierig und unsicher machte, dort zu residieren. Die Macht rivalisierender Adelsfamilien und das instabile politische Klima in Italien waren schwer zu kontrollieren.
  2. Einfluss Frankreichs: Clemens V. war Franzose und stand unter starkem Einfluss des französischen Königs Philipp IV., der es vorzog, den Papst unter seiner Kontrolle und in geografischer Nähe zu haben. Avignon, obwohl es damals nicht direkt zu Frankreich gehörte, war von französischen Territorien umgeben und bot eine günstigere Umgebung für den Papst unter dem Schutz des französischen Königs.
  3. Bessere Verwaltungsmöglichkeiten: Avignon bot eine stabilere Umgebung und bessere Möglichkeiten für die Verwaltung der Kirche. Die Stadt wurde schliesslich zu einem grossen administrativen Zentrum ausgebaut.

Diese Periode endete, als Papst Gregor XI. 1377 nach Rom zurückkehrte, teilweise auf Drängen der Heiligen Katharina von Siena, die eine Rückkehr des Papsttums zur spirituellen Heimat der Kirche befürwortete. Allerdings führte diese Rückkehr zu weiteren Konflikten und einer Kirchenspaltung, als nachfolgende Päpste in Rom und zeitgleich Gegenpäpste in Avignon gewählt wurden.

Die päpstlichen Gärten.

Während des Avignonesischen Papsttums residierten insgesamt sieben Päpste in Avignon. Sie regierten insgesamt 68 Jahre lang von Avignon aus, eine Zeit, die wesentlich durch den Einfluss der französischen Krone und durch eine verstärkte administrative Organisation der Kirche geprägt war. Auch wir profitieren noch heute von deren Einfluss.

Als die Päpste 1309 nach Avignon zogen, war der in der Gegend angebaute Wein nicht besonders gut. Die sieben nachfolgenden Päpste taten ihr Bestes, um ihn zu verbessern, und konzentrierten sich dabei auf die Weinberge rund um das Dorf Châteauneuf-du-Pape, was „das neue Schloss des Papstes“ bedeutet.

Die erfolgreichsten Vertreter des Châteauneuf-du-Pape 2018 (Quelle: decanter.com)

Sie hatten Erfolg, was sich heute in der Qualität der Weine dieser Region widerspiegelt. Châteauneuf-du-Pape war eines der ersten Weingüter, das 1936 den Status einer geschützten Herkunftsbezeichnung (AOC) erhielt.

So hat der Hirte Bénézet Anfangs des 12. Jahrhunderts mit seiner Vision einen unerwartet grossen Einfluss auf Avignon, die Kirchengeschichte und die Entwicklung der gesamten Gegend genommen.

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